Eine Website übersetzen zu lassen klingt nach einer überschaubaren Aufgabe: Texte exportieren, übersetzen lassen, wieder einspielen. In der Praxis ist es das selten. Was am Ende über Erfolg oder Ärger entscheidet, wird meist lange vor dem ersten Satz festgelegt, nämlich in der Technik, in der Struktur der Inhalte und in der Frage, wer später Pflege übernimmt. Wer diese Punkte vorab klärt, spart sich einen Relaunch, der nach drei Monaten schon wieder veraltet ist.
Technik zuerst, Text danach
Bevor eine einzige Zeile übersetzt wird, muss das System mit mehreren Sprachen umgehen können. In der Softwareentwicklung nennt man diesen Schritt Internationalisierung: Texte liegen nicht fest im Code, Datums- und Zahlenformate sind konfigurierbar, das Layout verträgt längere Zeilen. Deutsche Texte sind gegenüber englischen häufig zwanzig bis dreißig Prozent länger, was Buttons sprengt und Menüs umbrechen lässt. Prüfen Sie das an echten Beispielen, nicht an Platzhaltern. Und klären Sie früh, ob das Redaktionssystem Sprachversionen sauber verknüpft oder ob jede Sprache als eigene Baustelle existiert.
Die URL-Struktur legt man einmal fest
Drei Varianten sind üblich: eigene Länderdomains, Subdomains oder Unterverzeichnisse. Länderdomains senden das stärkste regionale Signal, kosten aber Pflege und bauen Autorität getrennt auf. Unterverzeichnisse sind meist der pragmatische Mittelweg, weil die gesamte Domain davon profitiert. Wichtig ist vor allem, dass die Entscheidung fällt, bevor Inhalte online gehen. Spätere Umzüge bedeuten Weiterleitungsketten und einen Einbruch der Sichtbarkeit, den niemand eingeplant hat. Nehmen Sie sich dafür eine Stunde mit der Person, die die Technik betreut, und halten Sie das Ergebnis schriftlich fest.
Hreflang ist kein Nice-to-have
Damit Suchmaschinen die richtige Sprachversion ausliefern, brauchen sie einen Hinweis. Google beschreibt in seiner Dokumentation genau, wie man lokalisierte Versionen einer Seite ausweist, per HTML, HTTP-Header oder Sitemap. Die häufigsten Fehler sind immer dieselben: fehlende Rückverweise, falsche Ländercodes und vergessene Selbstreferenzen. Wer mehrere Sprachen betreibt und darauf verzichtet, riskiert, dass französische Kunden auf der deutschen Seite landen und wieder abspringen. Ein Fallback über x-default für alle übrigen Sprachen gehört ebenfalls dazu.
Übersetzen ist nicht dasselbe wie ranken
Eine wortgetreue Übersetzung Ihrer deutschen Keywords führt selten zu den Begriffen, die im Zielmarkt tatsächlich gesucht werden. Was hier Fachbegriff ist, ist dort Umgangssprache, und umgekehrt. Deshalb gehört vor die Übersetzung eine Keyword-Recherche in der Zielsprache, danach werden Titel, Meta-Beschreibungen und Zwischenüberschriften entsprechend angepasst. PoliLingua erklärt, worauf es bei einer SEO-freundlichen Übersetzung ankommt. Rechnen Sie damit, dass einzelne Seiten in der Zielsprache anders heißen und manche Inhalte dort gar nicht gebraucht werden.
Was über den Text hinausgeht
Zur Website gehören Dinge, die im Textexport nicht auftauchen: Bildunterschriften, Alt-Texte, PDF-Downloads, Formularfehlermeldungen, Bestätigungs-E-Mails, Cookie-Banner und die Seiten zu Impressum, Datenschutz und Widerruf. Dazu kommen Preise, Währungen, Maßeinheiten, Telefonformate und Zahlungsarten, die im Zielmarkt üblich sind. Gerade im Handel entscheidet das über Vertrauen. Wer einen Shop betreibt, findet bei majestywebs eine gute Übersicht dazu, warum internationale Webshops mehr brauchen als eine rein sprachliche Website Lokalisierung. Der rechtliche Teil sollte ohnehin nicht übersetzt, sondern für den Zielmarkt neu erstellt werden.
Wie viele Sprachen sind realistisch
Die Versuchung ist groß, gleich fünf Sprachen anzubieten, weil das Angebot des Dienstleisters einen Mengenrabatt vorsieht. Sinnvoller ist die umgekehrte Frage: In welchen Märkten haben Sie Vertrieb, Support und Lieferfähigkeit? Eine Sprache ohne jemanden, der Anfragen darin beantworten kann, erzeugt Erwartungen, die Sie enttäuschen. Prüfen Sie außerdem, woher Ihre bisherigen Anfragen kommen. Oft zeigt schon die Statistik der vergangenen zwölf Monate, welche zweite Sprache sich wirklich lohnt, und welche nur gut aussieht.
Kontext für die Übersetzenden
Wer eine Tabelle mit isolierten Textbausteinen bekommt, übersetzt im Blindflug. Ein kurzes Wort kann Substantiv oder Verb sein, ein Satzfragment kann zu drei verschiedenen Sätzen gehören. Liefern Sie deshalb Screenshots, Zugriff auf eine Testumgebung und eine Terminologieliste mit Ihren Produktnamen und den Begriffen, die unverändert bleiben sollen. Legen Sie außerdem fest, ob geduzt oder gesiezt wird, und halten Sie das für jede Sprache fest. Diese Vorarbeit dauert einen halben Tag und verbessert das Ergebnis mehr als jede nachträgliche Korrekturschleife.
Maschinelle Übersetzung mit klarem Rahmen
Für große Mengen gleichförmiger Inhalte, etwa Produktbeschreibungen, ist maschinelle Vorübersetzung mit anschließender Nachbearbeitung wirtschaftlich sinnvoll. Für Startseite, Kampagnentexte, rechtliche Seiten und alles, was Marke transportiert, ist sie es nicht. Legen Sie die Grenze vorher fest, statt sie im Projektverlauf zu verschieben. Und prüfen Sie, ob automatisch übersetzte Seiten überhaupt indexiert werden sollen. Massenhaft veröffentlichte, unbearbeitete Maschinenübersetzung schadet der Sichtbarkeit häufiger, als sie nützt.
Pflege ist Teil des Projekts
Der teuerste Fehler passiert nach dem Launch. Die deutsche Seite wird weiterentwickelt, die anderen Sprachen bleiben stehen, und nach einem Jahr stimmen Preise, Produkte und Ansprechpartner nicht mehr überein. Legen Sie deshalb fest, wer Änderungen meldet, in welchem Rhythmus übersetzt wird und welches Budget dafür eingeplant ist. Ein Translation Memory hilft dabei, weil wiederkehrende Sätze nicht erneut bezahlt werden müssen und die Formulierungen konsistent bleiben.
Klein anfangen schlägt groß scheitern
Sie müssen nicht alles auf einmal übersetzen. Starten Sie mit den Seiten, die Umsatz bringen: Startseite, die drei wichtigsten Leistungen, Referenzen und Kontakt. Beobachten Sie drei Monate, welche Suchanfragen tatsächlich ankommen, und bauen Sie darauf auf. Das ist günstiger, schneller online und liefert Ihnen Daten, mit denen sich die nächste Ausbaustufe besser planen lässt.
